Die Schweizer Röstergilde ergänzt die von CafetierSuisse publizierte Medienmappe der Jahresmedienkonferenz 2025 um wesentliche fachliche Aspekte, welche für ein vollständiges Verständnis der aktuellen Preisentwicklung zentral sind. Während CafetierSuisse in ihrer Einschätzung für das Jahr 2026 vor allem Personal-, Energie- und Betriebskosten als Haupttreiber der erwarteten Preisanpassungen hervorhebt, fehlt eine fundierte Darstellung der globalen Rohkaffeeentwicklung, die nach unserer Analyse einen entscheidenden Einfluss auf die Kostenstruktur vieler Schweizer Röstereien hat. In der Medienmappe wird ausgeführt, dass die Lage auf dem internationalen Rohkaffeemarkt «nicht im Zentrum der Preisdynamik» stehe und die Inlandkosten den grössten Effekt auf die Preisgestaltung hätten. Diese Sichtweise greift aus fachlicher Perspektive zu kurz und bildet die realen Marktbedingungen nur unvollständig ab.
Tatsächlich prägen seit Monaten aussergewöhnlich starke Preisschwankungen im Arabica und im Robusta Segment den Markt. Klimatische Extremereignisse in wichtigen Ursprungsländern, sinkende Ernteprognosen und kontinuierlich steigende weltweite Nachfrage führen zu einem strukturell angespannten Umfeld. Internationale Fachanalysen verweisen zudem auf verknappte Bestände und eine historisch erhöhte Volatilität, die sich direkt in den Import und Beschaffungskosten niederschlägt. Diese Faktoren treffen insbesondere die Schweizer Rösterszene mit ihren ausgeprägten Qualitätsstandards und einer hohen Abhängigkeit von Spezialitätenkaffees.
Hinzu kommen geopolitische und logistische Risiken, die in der aktuellen Medienmappe unerwähnt bleiben. Die Verschärfung der regulatorischen Rahmenbedingungen, allen voran die EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR), wird in Zukunft erhebliche Mehrkosten verursachen und die Komplexität der Beschaffung dauerhaft erhöhen. Auch die globale Transportlage mit steigenden Kosten und instabilen Routen belastet die Branche spürbar. Diese strukturellen Marktveränderungen sind keine Randerscheinungen, sondern wesentliche Elemente der Preisbildung. Eine vollständige Branchenkommunikation muss diese Faktoren zwingend berücksichtigen, um ein realistisches Bild der Situation zu vermitteln.
Für die Röstereien ist es wichtig, dass in der öffentlichen Diskussion weder die Bedeutung der Rohwarenkosten noch die Herausforderungen entlang der Lieferkette unterschätzt werden. Eine kommunikative Reduktion auf Personal und Energie verkennt die Zusammensetzung der Wertschöpfung und schwächt die Position der Röster gegenüber Handel, Gastronomie und Konsumenten. Die Schweizer Röstergilde regt deshalb an, künftig eine engere inhaltliche Abstimmung zwischen CafetierSuisse und der Röstereibranche vorzunehmen. Ziel ist es, eine sachlich vollständige und ausgewogene Darstellung sicherzustellen, die sowohl den realen Beschaffungsbedingungen als auch den Kostenstrukturen der Röster gerecht wird. Eine gemeinsame Linie stärkt die Glaubwürdigkeit der gesamten Branche und schafft Orientierung in einem zunehmend anspruchsvollen Marktumfeld.
SCHWEIZER RÖSTERGILDE
Roger Bähler
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E-Mail: r.baehler@turmkaffee.ch
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